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Collegium 2000: Warum die Zukunft unseres Seniorenheims uns alle angeht - und mich besonders bewegt

Pflege in Kirchheim am Wendepunkt – Wie geht es mit dem Collegium 2000 weiter? Sind die Zustände schlimm? Wird übertrieben? Welche Optionen gibt es? Belastung für den Haushalt – oder Schlüssel für Kirchheims Zukunft? Zwischen Sorge, Verantwortung und großen Chancen für Kirchheim - der Versuch einer Einordnung eines wöchentlichen Besuchers

Dr. Dr. Marc Weidenbusch

2/9/20264 min lesen

a person in a wheelchair in a room
a person in a wheelchair in a room

In den vergangenen Wochen wurde viel über das Seniorenzentrum Collegium 2000 diskutiert – in Zeitungsartikeln, in Gesprächen im Ort und auch in meiner Praxis. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich: Wie steht es wirklich um unser Seniorenheim?

Ich möchte versuchen, die Situation aus meiner Perspektive einzuordnen. Nicht als Politiker, sondern als Hausarzt, als Teil eines lokalen Versorgungsnetzwerks und als jemand, der regelmäßig Bewohnerinnen und Bewohner im Collegium besucht.

Warum das Collegium für Kirchheim so wichtig ist

Ein Seniorenheim ist weit mehr als eine Pflegeeinrichtung. Es ist Teil der kommunalen Infrastruktur – ähnlich wie Schulen, Kindergärten oder Rettungsdienste. Für viele Familien bedeutet ein wohnortnaher Pflegeplatz Sicherheit: für Eltern, Partner oder irgendwann auch für sich selbst.

Im Collegium leben viele hochbetagte und schwer erkrankte Menschen, häufig mit komplexen medizinischen und pflegerischen Bedürfnissen. Ihre Versorgung gelingt nur, wenn Pflege, Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen, Angehörige und ehrenamtliche Strukturen eng zusammenarbeiten. Genau deshalb hat das Seniorenzentrum eine besondere Bedeutung für die soziale Stabilität unserer Gemeinde.

Gibt es aktuell Probleme?

Ja – das Collegium steht vor Herausforderungen. Personalwechsel, organisatorische Veränderungen und wirtschaftliche Fragen sorgen verständlicherweise für Unsicherheit bei Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitenden.

Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Diese Entwicklung ist kein rein Kirchheimer Problem. Viele Pflegeeinrichtungen kämpfen derzeit mit Fachkräftemangel, steigender Arbeitsbelastung und schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Bewohnerstruktur wird komplexer, während Finanzierungssysteme und gesetzliche Vorgaben den Handlungsspielraum oft einengen.

Meine Erfahrung aus den regelmäßigen Besuchen ist zweigeteilt: Ich erlebe engagierte Mitarbeitende, die unter schwierigen Bedingungen sehr viel leisten. Gleichzeitig sehe ich, wie stark das System insgesamt unter Druck geraten ist. Sorgen von Angehörigen nehme ich daher sehr ernst – ebenso wie die Leistung der Menschen, die täglich dort arbeiten.

Warum das Collegium überhaupt der Gemeinde gehört

Der Betrieb eines Pflegeheims gehört – anders als beispielsweise Kindertagesstätten – nicht zu den gesetzlich verpflichtenden Aufgaben einer Kommune. Kirchheim hat sich dennoch bewusst dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen und das Seniorenzentrum in kommunaler Trägerschaft zu führen.

Ich halte diese Entscheidung rückblickend für Ausdruck von Generationenfairness und kommunalem Verantwortungsbewusstsein. Eine Gemeinde zeigt damit, dass sie nicht nur für junge Familien, sondern auch für ältere und pflegebedürftige Menschen Verantwortung übernehmen will. Diese Grundhaltung verdient Anerkennung – unabhängig davon, wie man die aktuelle Situation bewertet.

Die wirtschaftliche Realität darf man trotzdem nicht ausblenden

Pflegeeinrichtungen sind heute hochkomplexe Organisationen. Wenn ein kommunales Heim dauerhaft hohe Defizite erwirtschaftet, entsteht eine schwierige Situation für die gesamte Gemeinde.

Nach aktueller Entwicklung drohen jährliche Fehlbeträge im siebenstelligen Bereich. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle – etwa für Schulen, Infrastruktur oder soziale Projekte. Gleichzeitig handelt es sich dabei nicht um Investitionen in neue Strukturen, sondern um laufende Defizitdeckung.

Diese Realität darf man nicht dramatisieren, aber auch nicht ignorieren. Sie zwingt uns zu einer ehrlichen Diskussion darüber, wie Pflegeversorgung langfristig organisiert werden soll.

Kurzfristig braucht das Collegium vor allem Stabilität

Unabhängig von langfristigen Grundsatzfragen steht aktuell eines im Vordergrund: Die Einrichtung braucht Ruhe, klare Strukturen und eine stabile Führung.

Die Gewinnung einer neuen Geschäftsführung und die Stabilisierung der Arbeitsabläufe sind aus meiner Sicht die dringendsten Aufgaben. Ohne funktionierende Organisation lassen sich weder Pflegequalität noch Wirtschaftlichkeit nachhaltig sichern. Gerade Bewohnerinnen und Bewohner sind darauf angewiesen, dass sich ihre Umgebung verlässlich und sicher anfühlt.

Die eigentliche Zukunftsfrage steht aber noch bevor

Langfristig wird sich Kirchheim einer grundlegenden Entscheidung stellen müssen:

Soll die Gemeinde das Collegium weiterhin selbst betreiben?
Soll eine andere Trägerschaft übernommen werden?
Oder soll das Seniorenzentrum bewusst weiterentwickelt und möglicherweise sogar ausgebaut werden?

Im Rahmen der Ortsentwicklungsplanung „Kirchheim 2030“ war bereits vorgesehen, die Versorgung älterer Menschen als wichtigen Bestandteil der kommunalen Infrastruktur mitzudenken. Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung wird diese Frage in Zukunft eher an Bedeutung gewinnen als verlieren.

Dabei geht es nicht um ideologische Positionen, sondern um eine nüchterne Abwägung zwischen Versorgungsbedarf, Qualität, Wirtschaftlichkeit und kommunaler Verantwortung.

Wird übertrieben – oder wird verharmlost?

Ich glaube, weder das eine noch das andere hilft weiter. Probleme kleinzureden schafft kein Vertrauen. Dauerhafte Krisenrhetorik hilft den Bewohnern ebenso wenig.

Was es braucht, ist Transparenz, fachliche Kompetenz und die Bereitschaft, langfristige Lösungen zu entwickeln. Pflegeversorgung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine Aufgabe über Generationen hinweg.

Mein persönlicher Blick auf die Situation

Das Collegium 2000 ist weder ein „Fass ohne Boden“ noch automatisch eine Erfolgsgeschichte. Es ist ein wichtiger Baustein unserer Gemeinde, der aktuell vor großen Herausforderungen steht – und gleichzeitig großes Zukunftspotenzial besitzt.

Ich bin überzeugt: Entscheidungen über Pflegeeinrichtungen sind keine rein administrativen Fragen. Sie betreffen Grundfragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens – wie wir mit Alter, Krankheit und Pflege umgehen wollen.

Sollte ich in den Gemeinderat gewählt werden, bin ich bereit, mich in diesen Themenfeldern aktiv einzubringen und Verantwortung zu übernehmen – insbesondere dort, wo medizinische, pflegerische und kommunale Perspektiven zusammengeführt werden müssen.

Warum sich diese Diskussion für Kirchheim lohnt

Kirchheim wächst und verändert sich. Gleichzeitig wird unsere Bevölkerung älter. Eine verlässliche Versorgung im Alter wird deshalb zu einer der zentralen Zukunftsfragen unserer Gemeinde werden.

Gerade deshalb lohnt es sich, beim Collegium genau hinzusehen, zuzuhören und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln – im Interesse der Bewohnerinnen und Bewohner, ihrer Angehörigen und der Menschen, die dort arbeiten.

Denn am Ende geht es nicht nur um eine Einrichtung.
Es geht darum, wie wir als Gemeinde Verantwortung füreinander übernehmen.