Tel.: 089 / 904 48 18 (gern anrufen, mit Aaron sprechen, wir melden uns zurück!) Fax: 089 / 90 300 40 (Achtung, momentan Empfangsprobleme!)
SMS (kein WhatsApp): +491771782714 Mail: empfang@drweidenbusch.de
Bier und Außentemperaturen – warum das Feierabendbier bei Hitze anders wirkt
Biergarten bei 30 °C: Was machen Hitze und Alkohol eigentlich mit Kreislauf und Flüssigkeitshaushalt? Und warum können Radler, Russ und insbesondere die Variante mit Zero-Limo im Sommer die cleverere Wahl sein? Ein kleiner Ausflug in die Medizin hinter dem Feierabendbier – inklusive Caveat für Diabetiker.
Dr. Dr. Marc Weidenbusch
8/14/20265 min lesen


Ein kühles Bier im Biergarten gehört für viele Menschen zum Sommer wie Sonnencreme und kurze Hosen. Und tatsächlich schmeckt ein Bier nach einem heißen Tag, einer Fahrradtour oder der Gartenarbeit manchmal besonders gut.
Aber was passiert eigentlich im Körper, wenn Alkohol und hohe Außentemperaturen zusammentreffen? Und ist Bier bei Hitze wirklich ein guter Durstlöscher?
Bei Hitze arbeitet unser Kreislauf anders
Unser Körper versucht seine Kerntemperatur erstaunlich konstant zu halten. Wird es draußen heiß, erweitert er deshalb die Blutgefäße der Haut. Mehr warmes Blut gelangt an die Körperoberfläche und kann dort Wärme abgeben.
Gleichzeitig beginnen wir zu schwitzen.
Beides hat Folgen: Der Blutdruck kann etwas sinken und mit dem Schweiß verlieren wir nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte. An einem heißen Tag – insbesondere bei körperlicher Arbeit oder Sport – kann dabei eine durchaus relevante Flüssigkeitsmenge zusammenkommen.
Und dann kommt das Bier
Alkohol erweitert ebenfalls Blutgefäße. Das kann den durch die Hitze ohnehin geforderten Kreislauf zusätzlich belasten. Manche Menschen bemerken dann Schwindel oder Kreislaufprobleme insbesondere beim schnellen Aufstehen.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Alkohol hemmt im Gehirn die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons ADH, auch Vasopressin genannt. Dieses Hormon sorgt normalerweise dafür, dass die Nieren Wasser zurückhalten.
Weniger ADH bedeutet deshalb zunächst: Wir scheiden mehr Wasser über die Nieren aus.
Das erklärt (zumindest teilweise) den bekannten Effekt, dass nach einigen Biergläsern der Weg zur Toilette immer kürzer erscheint.
Macht Bier also automatisch einen Flüssigkeitsmangel?
Ganz so einfach ist es nicht.
Schließlich besteht Bier selbst zum größten Teil aus Wasser. Bei kleinen Alkoholmengen kann die zugeführte Flüssigkeit den harntreibenden Effekt durchaus überwiegen. Ein einzelnes kleines Bier führt bei einem gesunden Erwachsenen deshalb nicht automatisch zu einem relevanten Flüssigkeitsdefizit.
Mit zunehmender Alkoholmenge verschiebt sich die Bilanz allerdings.
Und vor allem gilt: Wer bereits mehrere Stunden geschwitzt hat, sollte einen bestehenden Flüssigkeits- und Salzverlust nicht ausgerechnet mit Alkohol ausgleichen.
Gegen Durst hilft Wasser besser als Bier.
Eine ziemlich einfache Regel lautet daher: Erst den Durst löschen – danach kann man über das Bier nachdenken.
Radler und Russ'n-Maß: Bei Hitze gar keine dumme Idee
Jetzt wird es bayerisch-praktisch. Ein klassisches Radler besteht ungefähr zur Hälfte aus Bier und zur Hälfte aus Zitronenlimonade; beim Russ ersetzt Weißbier das Helle. Eine Maß Radler oder Russ enthält damit bei gleichem Volumen grob nur halb so viel Alkohol wie eine Maß Vollbier.
Das ist bei Hitze durchaus relevant. Man bekommt viel Flüssigkeit ins Glas, aber deutlich weniger Ethanol. Damit fällt sowohl die Alkoholbelastung als auch der alkoholbedingte Effekt auf Vasopressin und Diurese geringer aus. Wer im Biergarten unbedingt eine Maß vor sich stehen haben möchte, fährt physiologisch mit einem Radler oder Russ also zunächst günstiger als mit einem Liter Vollbier.
Aber die Sache hat einen Haken: die Limonade.
Die überraschend gute Kombination: Bier plus zuckerfreie Limonade
Das klassische süße Radler tauscht einen Teil des Alkohols gegen Zucker. Das ist kalorisch nicht unbedingt der große Befreiungsschlag – und als Durstlöscher braucht ein gesunder Mensch diese Zuckermenge schlicht nicht.
Deshalb ist eine Variante aus Bier und zuckerfreier Zitronenlimonade aus medizinischer Sicht ziemlich clever: Das Getränk enthält gegenüber dem Vollbier deutlich weniger Alkohol, liefert trotzdem viel Flüssigkeit und bringt durch die Limonade nicht noch zusätzlich eine relevante Zucker- und Kalorienmenge mit.
Oder etwas salopper: Wenn schon Radler bei 30 Grad, dann kickert die Zero-Limo die Flüssigkeitsbilanz ziemlich elegant.
Wichtig ist dabei ein kleiner physiologischer Unterschied: Zucker ist nicht grundsätzlich schlecht für die Flüssigkeitsaufnahme. Bei echten oralen Rehydratationslösungen nutzt man die gekoppelte Aufnahme von Glukose und Natrium im Darm sogar ganz gezielt. Eine normale süße Zitronenlimonade ist aber keine Elektrolytlösung: Ihre Zusammensetzung ist nicht für die Rehydratation optimiert. Aus „Zucker hilft bei einer ORS“ folgt also keineswegs „süße Limo hydriert besser“.
Noch konsequenter wäre natürlich das saure Radler – Bier mit Mineralwasser. Weniger Alkohol, kein zusätzlicher Zucker und zusätzliche Flüssigkeit. Geschmacklich scheiden sich daran allerdings die bayerischen Geister...
Und für Weißbierfreunde gilt dasselbe Prinzip: Ein Russ beziehungsweise eine Russ'n-Maß besteht klassisch ungefähr hälftig aus Weißbier und Zitronenlimonade. Auch hier ist die zuckerfreie Limonade metabolisch die interessantere Sommer-Variante.
Warum Alkohol bei Hitze schneller „reinhauen“ kann
Das berühmte „Bei Hitze vertrage ich weniger“ ist nicht völlig aus der Luft gegriffen.
Wer stark geschwitzt, wenig gegessen oder bereits ein gewisses Flüssigkeitsdefizit entwickelt hat, startet unter anderen physiologischen Bedingungen in den Biergarten als jemand, der den Tag im klimatisierten Büro verbracht hat.
Hinzu kommen die gefäßerweiternden Wirkungen von Hitze und Alkohol. Müdigkeit, Benommenheit und Kreislaufbeschwerden können deshalb deutlicher wahrgenommen werden.
Besonders ungünstig ist die Kombination aus Hitze, körperlicher Belastung, wenig Flüssigkeit und anschließend viel Alkohol.
Und alkoholfreies Bier?
Das ist tatsächlich interessanter.
Alkoholfreies Bier besteht überwiegend aus Wasser und enthält außerdem Kohlenhydrate und verschiedene Elektrolyte. Einige alkoholfreie Biere werden deshalb sogar als „isotonisch“ beworben.
Nach Sport oder körperlicher Arbeit kann ein alkoholfreies Bier durchaus zur Flüssigkeitszufuhr beitragen.
Man braucht dafür allerdings kein Bier: Wasser und bei ausgeprägtem Schwitzen gegebenenfalls eine geeignete Elektrolytzufuhr erfüllen denselben Zweck.
Und hier wartet bereits die nächste Falle: „alkoholfrei“ bedeutet keineswegs automatisch „zuckerarm“. Je nachdem, wie ein alkoholfreies Bier hergestellt wird, kann sich sein Kohlenhydratprofil deutlich unterscheiden. Warum die Braumethode insbesondere für Menschen mit Diabetes interessant ist, darum geht es im nächsten Teil.
Wer bei Hitze besonders vorsichtig sein sollte
Besondere Aufmerksamkeit ist bei älteren Menschen angebracht. Im Alter nimmt das Durstgefühl häufig ab, während gleichzeitig verschiedene Medikamente die Anpassungsfähigkeit von Kreislauf und Nieren beeinflussen können.
Das betrifft beispielsweise Menschen, die Diuretika („Wassertabletten“) oder bestimmte Blutdruckmedikamente einnehmen.
Auch bei Herz- oder Nierenerkrankungen gelten teilweise individuelle Empfehlungen zur Trinkmenge. Hier ist „einfach möglichst viel trinken“ keineswegs immer die richtige Lösung.
Was heißt das für den Biergarten?
Für einen gesunden Erwachsenen spricht auch an einem warmen Sommerabend nichts dagegen, ein Bier bewusst zu genießen.
Nur sollte man Bier und Flüssigkeitszufuhr nicht miteinander verwechseln.
Wer vorher ausreichend Wasser getrunken und etwas gegessen hat, verträgt den Abend in aller Regel besser als jemand, der nach drei Stunden Gartenarbeit bei 32 °C das erste Getränk des Tages als Maß Bier bestellt.
Wer trotzdem etwas Bieriges möchte, kann sich eine kleine Hierarchie merken: Wasser schlägt Bier. Radler schlägt bei gleicher Trinkmenge die Maß Vollbier. Zero-Radler spart zusätzlich den Limo-Zucker. Und alkoholfrei schlägt beim Alkohol natürlich alle drei – aber beim Zucker müssen wir genauer hinschauen.
Ein wichtiges Caveat gilt dabei besonders für Menschen mit Diabetes: Ausgerechnet „alkoholfrei“ heißt nicht automatisch „kohlenhydratarm“ oder „zuckerarm“. Je nach Brauverfahren können alkoholfreie Biere durchaus relevante Mengen an Kohlenhydraten enthalten – und zwei äußerlich sehr ähnliche alkoholfreie Biere können sich metabolisch deutlich unterscheiden. Wer Diabetes hat, sollte deshalb nicht nur auf die Angabe „alkoholfrei“, sondern auch auf die Nährwerttabelle schauen.
Warum das so ist, warum der Braumeister manchmal ein Achtel Diabetologe ist und weshalb bei alkoholfreiem Bier „gestoppte Gärung“ und nachträgliche Entalkoholisierung einen entscheidenden Unterschied machen können, lest Ihr in Teil 2: „Alkoholfrei ist nicht gleich alkoholfrei“.
Oder kürzer:
Das Bier darf kalt sein. Der Kreislauf sollte es nicht werden.
Genießt den Sommer – und trinkt bei Hitze zwischendurch einfach auch ein Glas Wasser :-)
Dieser Beitrag dient der allgemeinen gesundheitlichen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.
Praxis Dr. Weidenbusch
Deine Gesundheit ist unser oberstes Ziel.
Salus aegroti suprema lex.
Dein draht zu uns
Kontakt
Schreib uns doch auch gern per SMS: +491771782714
Oder gern per Email: empfang@drweidenbusch.de
+49 89 904 48 18 Wir sind rund um die Uhr erreichbar - Dank unseres digitalen Praxisassistenten Aaron!
© 2024. All rights reserved.
